Schmerzspritze, Tabletten oder doch Naturheilkunde – hier findest Du Deine Entscheidungshilfe
Niemand möchte, dass der geliebte Hund oder die geliebte Katze Schmerzen leidet. Der häufigste Grund für chronische Schmerzen in der Tiermedizin ist wohl die Arthrose, d.h. Schmerzen im Bewegungsapparat. Vor allem als Senior leiden Tiere oft an Arthrose in Form von Gelenk- und Rückenschmerzen.
Knorpel, Gelenkkapsel und Knochen des Gelenks entzünden sich und die Knorpel werden zunehmend zerstört. Wenn man die Entzündung dämpft, vermindern sich die Schmerzen und die Degeneration wird verlangsamt.
Hersteller von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln bieten alle erdenklichen Produkte an, um Arthrose bedingte Schmerzen zu lindern. Es gibt verschreibungspflichtige Schmerzmedikamente als Tablette oder als flüssige Suspension schon sehr lange. Die Nahrungsergänzungshersteller bieten eine unüberschaubare Menge an antientzündlich wirkenden Produkten mit Grünlippmuschel, Teufelskralle, Omega-3-Fettsäuren und vielem mehr an.
Seit 2021 revolutioniert ein neues Medikament den Arthrose-Markt: ein Wirkstoff namens Bedinvetmab für Hunde und Frunevetmabum für Katzen wird regelmäßig mit einer Spritze verabreicht.
In diesem Artikel werden keine Handelsnamen verschreibungspflichtiger Medikamente genannt, da deren direkte Bewerbung (= Beschreibung ihrer Eigenschaften) gegenüber Laien gemäß des deutschen Heilmittelwerbegesetzes (HWG) unzulässig ist. Stattdessen werden hier die Wirkstoffe (Bedinvetmab und Frunevetmabum, NSAID) beschrieben, um Tierbesitzer sachlich zu informieren. Dieses Verbot betrifft die oben erwähnten Schmerzspritzen genauso wie die verschreibungspflichtigen Schmerztabletten.
So wie jede, den Körper beeinflussende Substanz hat jedes zur Verfügung stehende Mittel Vor- und Nachteile, die wohl bedacht sein sollten, bevor Sie es Ihrem Hund oder Ihrer Katze verabreichen.
Seit der Zulassung der Schmerzspritze im Jahr 2021 hat die Tiermedizin ein Medikament zur Verfügung, das sogenannte monoklonale Antikörper enthält und ausschließlich für Schmerzen zugelassen ist, die durch Arthrose verursacht werden.
Der monoklonale Antikörper Bedinvetmab für Hunde und Frunevetmabum für Katzen gehören zur Arzneimittel-Klasse der Biologika und wurden entwickelt, um die Schmerzen zu lindern, die durch Arthrose verursacht werden.
„Biologika“ bedeutet NICHT, dass es ein naturheilkundliches oder gar natürlich entstandener Wirkstoff ist. Monoklonale Antikörper sind Produkte der modernen Medizintechnik. Sie werden bereits seit Jahrzehnten in der Humanmedizin eingesetzt, vor allem in der Behandlung von Krebs, Entzündungen und Autoimmunerkrankungen.
Allerdings gibt es bisher kein vergleichbares Medikament gegen Arthrose-Schmerzen für Menschen.
Der Wirkmechanismus basiert auf der Blockade eines bestimmten Proteins, des Nervenwachstumsfaktors (NGF). NGF ist ein zentraler Botenstoff in der Schmerzsignalübertragung und spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung und Aufrechterhaltung von Schmerzen. Bedinvetmab/Frunevetmabum bindet NGF. Dadurch kann NGF seine Wirkung nicht entfalten und die Weiterleitung von Schmerzreizen wird verhindert.
Das Gehirn nimmt den Schmerz weniger stark oder gar nicht mehr wahr. Die Schmerzen werden also gelindert, aber die Ursache, also die Arthrose im erkrankten Gelenk, wird nicht therapiert. Die monoklonalen Antikörper nehmen keinen Einfluss auf das degenerative Geschehen im Gelenk.
Die Bedinvetmab bzw. Frunevetmabum wird alle 30 Tage von einem Tierarzt als Injektion verabreicht. Der Wirkstoff wird dann über einen viel längeren Zeitraum im Körper abgebaut. Die Linderung des Schmerzes fällt bereits vor Ablauf der 30 Tage meist deutlich ab. Ein Gegenmittel im Falle von unerwünschten Wirkungen gibt es nicht.
Leider gibt es zahlreiche Berichte von Tierbesitzern in den Sozialen Netzwerken, die bestürzt massive Krankheitszeichen Ihres Hundes oder ihrer Katze nach der Verabreichung einer solchen Spritze berichten. Und es gibt viele erleichterte Besitzer, die sich über eine gute Wirkung freuen.
Der Nervenwachstumsfaktor NGF, der durch die neuartige Schmerzspritze blockiert wird, ist nicht nur an der Schmerzsignalübertragung beteiligt, sondern spielt auch eine zentrale Rolle bei der Erhaltung des Immunsystems, der Wundheilung, der Zellregeneration und sogar bei der Produktion von roten Blutkörperchen. Wird NGF blockiert, kann dies zu vielfältigen gesundheitlichen Problemen führen.
Tierbesitzer berichten nach der Anwendung der Schmerzspritze (manchmal auch erst nach mehreren Anwendungen) von Wesensveränderungen ihrer Tiere, wie Ängstlichkeit oder Unruhe, Schlaflosigkeit oder Apathie und vieles mehr. Ein Mangel an aktivem NGF wird in der aktuellen Forschung auch in Zusammenhang gebracht mit Demenz. Eine Erkrankung an der auch Hunde und Katzen leiden können.
Natürlich gibt es wie bei jedem verschreibungspflichtigem Medikament auch für diese Wirkstoffe einen Beipackzettel, in dem Nebenwirkungen und die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens genau genannt werden müssen. Da laufend neue Erkenntnisse gewonnen werden, kann sich die Liste möglicher Nebenwirkungen ändern. Bitten Sie Ihren Tierarzt darum, Ihnen die Angaben in dem aktuellen Beipackzettel zu zeigen und zu erläutern.
Leider kann das gegenwärtig keiner sagen. Aktuell werden Meldungen an offizielle Stellen wie IRIS (europäisch) oder FDA (USA) über Nebenwirkungen intensiv untersucht. In den Links am Ende des Artikels finden Sie Quellen und weitere Informationshinweise dazu.
Wenn Sie feststellen, dass sich mit der Anwendung von Medikamenten Krankheitszeichen einstellen, weisen Sie Ihren Tierarzt darauf hin. Bitten Sie ihn, eine offizielle Meldung über beobachtete Nebenwirkungen zu machen. Macht er es nicht, machen Sie es selbst! Aktuell werden weniger als 5% aller beobachteten Nebenwirkungen offiziell gemeldet. Helfen Sie mit, dass Medikamente für unsere Tiere sicherer werden. Die zuständige Meldestelle für Nebenwirkungen ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Unter diesem Link kann jede Privatperson eine entsprechende Meldung machen.
Bei Katzen gibt es weitere erschwerende Bedingungen: Für die meisten Katzen bedeutet ein Tierarzt-Besuch alle 30 Tage unglaublich viel Stress und jede Injektion birgt das für Katzen spezifische Risiko, dass sich an der Einstichstelle ein Sarkom entwickelt, also ein bösartiger Tumor.
lindern Schmerzen, ohne Cortison zu enthalten.
Sie wirken, indem sie die Kettenreaktion einer Entzündung dämpfen. Dazu hemmen sie spezielle Enzyme, die Cox-Enzyme. Leider unterscheiden die meisten NSAID nicht zwischen den entzündungsfördernden COX2-Enzymen und den „guten“ COX1-Enzymen. Sie haben in vielen Geweben schützende Funktionen, insbesondere in der Magenschleimhaut, den Nieren und bei der Blutgerinnung. Leider werden auch „die guten Cox1-Enzyme“ durch NSAIDs oft stark gehemmt. Bekannteste unerwünschte Wirkung ist die Reizung der Magenschleimhaut, bis hin zu Magengeschwüren und Blutungen.
Hier steht die Erkenntnis im Focus: Wenn man die Entzündung dämpft, vermindern sich die Schmerzen und die Gelenk-Degeneration wird verlangsamt. Es geht nicht nur darum, den Schmerz zu lindern, sondern auch um eine stabile Lebensqualität über die noch verbleibende Lebenszeit. Um dies zu erreichen, werden ganz unterschiedliche Substanzen eingesetzt und je nach Fachgebiet der Tierheilpraktikerin setzt sie unterschiedliche Therapien ein, wie z.B.
Auch bei diesen Substanzen und Therapieverfahren steht die Linderung von Entzündung und damit von Schmerzen im Focus. Dies können sekundäre Pflanzenstoffe leisten, aber auch Akupunkturnadeln oder Low-Level-Lasertherapie sind meiner Erfahrung nach eine wunderbare Unterstützung.
Naturheilkunde setzt oft auf Nahrungsergänzungsmittel, die als Pulver oder Suspension verabreicht werden. Diese Substanzen haben ihren eigenen Geruch und Geschmack, die auf Hunde und Katzen nicht immer einladend wirken. Manchmal muss sich der Besitzer also einen Trick überlegen, um seinen Hund oder seine Katze zur Einnahme zu bewegen.
Nebenwirkungen sind natürlich möglich, aber bei sachgerechter Dosierung ungewöhnlich. Eine fachkundige Tierheilpraktikerin empfiehlt üblicherweise Kombinationen verschiedener Substanzen und Therapieanwendungen, um den bestmöglichen Effekt zu erzielen.
Informieren Sie sich bei Ihrem Tierarzt über verschreibungspflichtige Medikamente, Ihre Tierheilpraktikerin informiert Sie gerne über naturheilkundliche Optionen. Welche Maßnahmen mit der größten Wahrscheinlichkeit helfen und wie sie angewendet werden müssen, ist immer von dem Patienten und seiner individuellen Situation abhängig. Deshalb ist der Gang zum Tierarzt oder Tierheilpraktiker unerlässlich.
Das zuverlässigste Schmerzmittel ist das Idealgewicht!
Patienten mit Arthrose sollten schlank sein! Ein geringes Körpergewicht schont die Gelenke und weniger Fettmasse dämpft Entzündungen im Körper. Auch wenn ein Schmerzmittel gut wirkt, sind die Gelenke krank und Überbeanspruchung verstärkt die Degeneration. Faustregel: Leichte Ausdauer-Aktivitäten sind hilfreich, Action-Sport schädigt. Moderate Bewegung unterstützt den Stoffwechsel in den Gelenken und trägt zu einer besseren Nährstoffzufuhr in die Gelenke bei.
Meine persönliche Erfahrung ist: Ein ganzheitlicher Ansatz, der mehrere Therapien kombiniert, kann sehr gute Erfolge erzielen. Am Ende sollte die Wahl gut abgewogen und individuell an das Tier angepasst sein.
Ich unterstütze Sie gerne. Buchen Sie gleich einen Termin.
Hinweis:
Die in diesem Blog veröffentlichten Artikel dienen der allgemeinen Information über ein Gesundheitsthema, nicht der Beratung im Falle individueller Anliegen. Diese Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine geeignete Grundlage für Selbstdiagnosen dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden Ihres Tieres wenden Sie sich an Ihren Tierheilpraktiker oder Tierarzt.
Quellen und weitere Informationen
Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente in der EU sind in der Laienpresse verboten. Offizielle Stellen listen Informationen bezüglich z.B. Nebenwirkungen auf und jedem Bürger zugänglich. Für eine weitere Recherche steht diese Seite offen:
IRIS – European Medicine Agency
https://iris.ema.europa.eu/signalpd/
Dort heißt es „This list provides access to signals of potential safety, efficacy or environmental issues that are identified during post-authorisation monitoring of veterinary medicinal products authorised in the EU…“
(Übersetzung: Diese Liste bietet Zugang zu Signalen potenzieller Sicherheit, Wirksamkeit oder Umweltproblemen, die bei der Überwachung von Tierarzneimitteln in der EU nach der Zulassung festgestellt wurden). Diese Liste bietet also Informationen über bestätigte oder vermutete Nebenwirkungen von Medikamenten. Haben Sie eine Frage zu einem bestimmten Medikament, machen Sie einen Haken bei „signal managment submission“ und tragen Sie den Namen des Medikaments oder des Wirkstoffs bei „Product/Substances“ ein. Klicken Sie rechts außen auf den Link „Apply filter“. Es erscheint eine Liste mit zahlreichen Informationen. Beobachtete oder bestätigte Nebenwirkungen finden Sie in der Spalte mit der Überschrift Veddra. VeDDRA bedeutet „Clinical terminology specifically developed for the electronic reporting of suspected adverse reactions in animals and humans to veterinary medicinal products.
(Übersetzung: Klinische Terminologie, die speziell für die elektronische Meldung von vermuteten Nebenwirkungen von Tierarzneimitteln bei Tieren und Menschen entwickelt wurde.)
Weitere Quellen für diesen Artikel: petadvocare.com und wikipedia.
Dr Edward Bassingthwaighte auf dogsnaturally, Dr. Mike Farrel in vetlessons.com und sein youtube-Kanal, eine sehr gute Übersetzungshilfe für englische Texte ist www.deepl.com